Bayerisches Staatswappen

Chronik

Kastl liegt ungefähr in der Mitte zwischen Regensburg und Nürnberg und wie alle anderen oberpfälzischen Klöster liegt Kastl an einem Flüsschen, der Lauterach. Bereits der Ortsname lässt auf eine Befestigungsanlage schließen.

Durch einen Brand im Jahr 1542 ging allerdings der größte Teil der Urkunden verloren, sodass sich die erste Besiedelung des Bergrückens nicht genau datieren lässt. Es wird jedoch angenommen, dass eine befestigte Anlage oder auch Burg im 9. Jahrhundert entstanden sein dürfte.

Laut der Reimchronik aus dem Jahre 1323 soll der Berg vor dem Klosterbau von drei Burgen gekrönt worden sein. Im Jahre 1098 entschlossen sich die Besitzer, die Grafen von Kastl, anstelle der Burgen ein Benediktiner Kloster zu errichten. 1103 ließen sie ihre Burgen abbrechen und verwendeten deren Mauern zum Klosterbau.

In der Blütezeit des Klosters unter Abt Hermann (1322 bis 1357) bestanden enge Verbindungen zu König Ludwig dem Bayern. Bei einem Aufenthalt des späteren Kaisers im Jahr 1319 verstarb seine dreijährige Tochter, Prinzessin Anna, an einer Krankheit. Ihr Leichnam wurde mumienartig einbalsamiert und ist heute noch wohlbehalten in einem Glassarg der Klosterkirche zu sehen.

Auch Ritter Seyfried Schweppermann, berühmter Feldherr des Kaisers, liegt hier seit 1337 begraben, ein Grabstein mit einer einfachen Ritzzeichnung zeugt davon. Das zusätzliche barocke Ehrenmal ziert der berühmte Ausspruch Ludwigs nach der Schlacht bei Mühldorf, als zum Essen nur ein Korb Eier zu finden war: "Jedem eyn Ey, dem braven Schweppermann zwey."

Die Anlage hatte sich auch nach der Umwandlung zum Kloster ihr wehrhaftes Aussehen bewahrt. Die kulturelle Blüte des Klosters dauerte bis ins 15. Jahrhundert an, 1413 erfolgte sogar die Erhebung zum Reichskloster durch König Sigismund. Im 16. Jahrhundert trat trotzdem ein rascher Verfall ein, das Ergebnis war schließlich die Aufhebung im Jahr 1556.

Nach der Rekatholisierung der Oberpfalz wurde das Kloster 1636 den Jesuiten von Amberg übergeben. Sie nahmen große bauliche Veränderungen vor und machten sich bei den Kastlern unbeliebt. Nach der Auflösung und dem Verbot der Jesuiten sollte ab dem Jahre 1783 der Malteserorden das Kloster übernehmen.

Doch die Säkularisation beendete das kurze Bemühen des Ordens. 1808 wurde die Klosteranlage Eigentum des Freistaats Bayern. Lediglich die Kirche durfte von der Pfarrei Kastl als Pfarrkirche genutzt werden. 1825 wurde das bisweilen in der Burg Pfaffenhofen untergebrachte Landgericht (Vorläufer der jetzigen Landratsämter) nach umfangreichen Reparaturen der ehemaligen Klostergebäude nach Kastl verlegt. Nach dessen Auflösung im Jahr 1863 zogen Amtsgericht und Rentamt in die Räumlichkeiten. Sie sollten bis zur Ämterzusammenführung im Jahre 1929/30 hier ihren Sitz behalten.

In den folgenden Jahren war man bemüht, die Räume weiter mit Leben zu füllen. Ein Schullandheim fand hier geeignete Räume, aber auch eine HJ-Schule oder eine Offiziersschule im 3. Reich waren angedacht. Schließlich bezogen 1935 die vorderen Räume BDM-Mädchen als Unterkunft, die hinteren Räume wurden ab 1940 mit Flüchtlingen aus Bessarabien und Kindern aus Slowenien belegt.

Nach dem Ende des Krieges mussten bis zu 800 Flüchtlinge aus Schlesien und dem Sudetenland in den Räumen Unterkunft finden. Das Flüchtlingslager wurde schließlich 1952 geräumt und die Gebäude standen bis 1958 leer. Das weithin bekannte „Ungarische Gymnasium“ zog in die altehrwürdige Klosterburg ein. Es wurde zu einem Symbol für die freiheitliche Erziehung in den ungarischen Traditionen in der westlichen Welt. Finanzielle Probleme führten jedoch 2006 zur Betriebseinstellung. Ab dem Jahre 2008 wurde hier offiziell das AIC (Avicenna International College) als neue Zweigstelle nach Budapest und der Insel Kreta angekündigt. Doch es blieb bei der Ankündigung. Aus unerklärlichen Gründen wurde der Start immer wieder verschoben und schließlich wurde 2012 der diesbezügliche Antrag durch das Kultusministerium abgelehnt.

Nach vielen Jahren des Leerstandes werden nun die ehemaligen Klostergebäude für die Hochschule für den öffentlichen Dienst, Fachbereich Polizei (kurz: HföD, FB Polizei), saniert und umgebaut.

Ein Teil der Unterkünfte für die Studierenden soll bereits im Frühjahr 2020 fertig sein und belegt werden. Die volle Aufnahme des Studienbetriebs ist ab dem Jahr 2023 geplant. 120 Studierende sollen dort dann unterrichtet und untergebracht werden.

Nach Fürstenfeldbruck und Sulzbach-Rosenberg wird Kastl damit zum 3. Studienstandort der HföD, FB Polizei.

 

 

Quellen:

Kastler Heimatbücherl: Markt Kastl

Die Klosterburg Kastl: Hermann Römer, August 2011/2018

http://burgenseite.de/html/kastl.html, Abruf 16.01.2019