Bayerisches Staatswappen

EU-Projekte

Was sind EU-Projekte?
Die EU-Kommission unterstützt staatliche oder private Organisationen und Einrichtungen mit Rechtspersönlichkeit mit Finanzhilfen, welche direkt in Projekte aus den Bereichen Forschung und Entwicklung, Bildung, Umweltschutz, Verbraucherschutz, Informationsgesellschaft und Energie und Verkehr fließen. Im Bereich Forschung, Entwicklung und Innovation finanziert die Europäische Union sowohl Grundlagen- als auch angewandte Forschung.

Horizon 2020
Eines der wichtigsten Förderinstrumente ist dabei HORIZON 2020, das europäische Rahmenprogramm für Forschung und Innovation. Mit einem Fördervolumen von insgesamt 77 Milliarden Euro und einer neuen Struktur ist HORIZON 2020 damit das weltweit größte, in sich geschlossene Forschungs- und Innovationsprogramm und bündelt seit 2014 die Forschungsprogramme auf europäischer Ebene.

Projekte an der HFÖD
Die HFÖD, Fachbereich Polizei beteiligt sich seit dem Jahr 2012 an EU-Projekten. Bis ins Jahr 2017 hat die HFÖD schon zwei Projekte (SMART-CV und ePOOLICE) erfolgreich abgeschlossen und Ausschreibungen zu weiteren 9 Projekten gewonnen. 

Hier folgen Informationen zu den einzelnen Projekten:   

 

 

Internet Forensic platform for tracking the money flow of financially-motivated malware

In den letzten Jahren ist das Internet zum Mittelpunkt vieler Geschäftstätigkeiten geworden, wobei kriminelle Aktivitäten keine Ausnahme darstellen. Das Internet erlaubt Verbrechern aus der ganzen Welt ihre kriminellen Bestrebungen wie Diebstahl und Betrug voranzutreiben, indem es ihnen ermöglicht die eigene Identität zu verschleiern. Zusätzlich ist es heutzutage möglich die verschiedensten Programme zu erwerben, um sensible Daten ohne viel Aufwand zu stehlen. Aus diesem Grund hat sich das Projekt RAMSES das Ziel gesetzt, eine holistische, intelligente, skalierbare und modulare Plattform für Polizeibehörden zu entwickeln, um ihnen die digitale forensische Arbeit zu erleichtern. Das System wird in der Lage sein, Informationen, die im Zusammenhang mit finanziell motivierter, zielgerichteter Malware stehen, selbstständig aus dem Internet zu filtern, diese zu analysieren und anschließend zu interpretieren. Während des Projektes werden sowohl Entwickler und Nutzer als auch Opfer von Schadsoftware involviert, um ein besseres Verständnis zu finanziell motivierte Malware zu erhalten und zu verstehen wann und auf welchem Wege diese verteilt wird. Um diese Ziele zu erreichen, greift RAMSES auf Big Data Technologien zurück und beginnt mit der Sammlung von unstrukturierten und strukturierten Daten, um anschließend darin nach Anzeichen von betrügerischem Verhalten zu suchen. Der Fokus von RAMSES liegt dabei auf zwei Fallbeispielen: Ransomware und Banking-Trojaner. Hierfür werden die neusten Technologien herangezogen, um eine intelligente Software-Plattform zu entwickeln, die mit Hilfe von Big Data Analysen und Visualisierungstools in der Lage sein wird, das Surface Web und das Deep Web abzusuchen, Manipulationen und Steganalysen in Bildern und Videos zu erkennen, Malware-Zahlungen zu verfolgen und Beispiele von Malware zu finden und zu analysieren.

Retrieval and Analysis of Heterogeneous Online Content for Terrorist Activity Recognition

Für die allgemeine Bevölkerung spielt das Internet eine wichtige Rolle im täglichen Leben. Allerdings haben Verbrecher und Terroristen im Internet eine Möglichkeit erkannt, mit ihren Anhängern zu kommunizieren, Anschläge zu koordinieren, Gelder zu sammeln, neue Anhänger und Unterstützer zu rekrutieren und Propaganda zu verteilen. Für die Polizei der heutigen Zeit ist es eine Herausforderung terroristische Inhalte online zu identifizieren, zu sammeln und zu interpretieren. Vor allem durch das Dark Web wird dies zusätzlich erschwert. Darüber hinaus gestaltet es sich für die Strafvollzugsbehörden als äußerst schwierig die bedeutenden Informationen aus der Fülle an Daten herauszufiltern und zusammenzufassen. Tensor entwickelt hierfür eine Plattform, welche Inhalte mit terroristischen, radikalisierenden oder rekrutierenden Inhalten im Surface Web und Deep Web frühzeitig erkennt. Ziel des Projektes ist es, ein System zu entwickeln, welches die Anforderungen der Strafvollzugsbehörden abdeckt und ihre operationalen Fähigkeiten verbessert, indem es ihnen ermöglicht von Terroristen generierten Inhalt zu entdecken. Dabei wird das Konsortium von Tensor sicher stellen, dass die Ergebnisse auf die Datenschutzrechte der Partnerländer abgestimmt sind und die Freiheit des einzelnen Bürgers bei der Nutzung des Internets gewährleistet wird.

Counter Radicalization trough the rule of the law

Das Projekt DERAD zielt darauf ab einen Werkzeugkasten aus verschiedenen Bausteinen zu entwickeln, zu testen und zu validieren, um mit deren Hilfe eine Radikalisierung in Gefängnissen vorzubeugen. Die erste Phase dient der Sammlung und Bewertung von verfügbarem Trainingsmaterial. Anschließend werden 48 Trainer aus juristischen Einrichtungen und Polizeischulen eingebunden, welche in vier Trainingseinheiten ausgebildet werden. Zudem sollen das Training und das Trainingsmaterial übersetzt werden. In der vierten und letzten Phase wird eine internationale Konferenz zur „ Gegenradikalisierung und gemeinschaftlichen Resilienz bei Häftlingen und Menschen auf Bewährung“ in allen 28 EU-Mitgliedsstaaten organisiert, um das Projekt und das Training zu bewerben. Alles in allem soll der Radikalisierung durch neue Instrumente vorgebeugt werden und so eine erhöhte Effektivität professioneller Angestellter erreicht werden. Im Februar 2017 hat der Fachbereich seinen ersten Aufgabenschwerpunkt im Rahmen von DERAD erfolgreich gemeistert. Ziel war es Verantwortliche im Bereich Gefängnis sowie juristischer Einrichtungen aus ganz Europa zu versammeln, um das Phänomen „Radikalisierung in Gefängnissen“ zu beleuchten. Die Konferenz fand am Studienort Fürstenfeldbruck statt und wurde von zahlreichen Experten besucht.

Mobile Assistance Interagency Teams to Detect and Prevent the Escalation of Violent Radicalism

TRAINING AID ist eine, separat finanzierte, Ergänzung zum Projekt DERAD. Der inhaltliche Ansatz des Projektes ist mit dem von DERAD deckungsgleich. Durch die zusätzliche finanzielle Unterstützung soll ein noch umfassenderes und technisch innovativeres Trainingsprogramm entwickelt werden. Ziel ist es die betroffenen Personen nicht nur durch ein klassisches Training zu schulen, sondern durch die Entwicklung und Bereitstellung einer e-learning Plattform die Erkenntnisse des Projektes DERAD dauerhaft und nachhaltig für die Zielgruppe verfügbar zu machen.

Novel human-centred Law Enforcement methods, technologies and ToolS for CROWD protection

Let’s Crowd hat es sich zum Ziel gesetzt, das Europäische Sicherheitsmodell (ESM) in Bezug auf Massenversammlungen umzusetzen, um Verbrechen und terroristische Anschläge während Massenveranstaltungen zu verhindern. Hierfür wird zum einen eine dynamische Risikobewertungsmethode für den Schutz von Menschenmengen bei Massenversammlungen entwickelt, die auf menschliche Faktoren ausgerichtet ist. Zudem wird an einem politischen Entscheidungsinstrument für die langfristige und strategische Entscheidungsfindung sicherheitspolitischer Entscheidungsträger gearbeitet, welches eine Datenbank mit empirischen Daten, Statistiken und ein analytisches Instrument für die Modellierung von Sicherheitsrichtlinien beinhaltet. Außerdem arbeitet das Konsortium von Lets Crowd an einem System, welches Echtzeit- Publikumsverhaltensprognosen, innovative Kommunikationsverfahren, semantische Intelligenz, die auf soziale Netzwerke und das Internet angewendet werden kann, und neuartige Computer-Vision-Techniken beinhaltet.

eMore

Das Projekt eMore wurde ins Leben gerufen, um ein Wissensmodell zum Thema online Hasstiraden und offline Hassverbrechen zu entwickeln und zu testen. Dieses Wissensmodell beruht auf einem rundumlaufenden und erweiterten System zur Beobachtung und Berichterstattung, um ein Verständnis für die Phänomene und Trends von Hassverbrechen und Hasstiraden sowohl im Internet als auch im realen Leben zu erhalten. Dies wiederum ermöglicht vergleichende Analysen und die Unterstützung im Kampf gegen hassmotivierte Verbrechen auf nationaler/ EU-Ebene.

Hierfür wird eMore eine Wissensplattform entwickeln, welche für die Zielgruppen zugänglich ist und eine tiefgehende Analyse des Phänomens von online/ offline Hass erlaubt. Diese Plattform wird Daten verarbeiten, die durch einen Crawler gesammelt wurden und die wichtigsten Kategorien im Bereich hassmotivierte Verbrechen beinhalten: Hass gegen Geschlechter, Rassen, Religionen, sexuelle Orientierung und Behinderungen. Zusätzlich wird eine App entwickelt, die es den Bürgern erlaubt, Hassverbrechen zu melden. Diese wird in den 9 Partnerländern getestet: Belgien, Deutschland, Italien, Malta, Nordirland, Portugal, Rumänien, Slowenien und Zypern.

Der erste Schritt zur Entwicklung dieser Plattform ist eine Umfrage zu Erfahrungen mit Hassverbrechen oder Diskriminierungen. Um die Privatsphäre zu schützen, ist dieser Fragebogen anonym und es wird nicht möglich sein, Sie aufgrund Ihrer Antworten zu identifizieren.

Der Fachbereich Polizei der Hochschule für den öffentlichen Dienst in Bayern beteiligt sich seit Mitte 2015 am EU-Projekt Unity

Das auf drei Jahre angelegte Projekt wurde auf Basis des bisher größten Forschungs- und Entwicklungsprogramms der EU, Horizon 2020, ins Leben gerufen und wird dadurch auch finanziert.

Bereits jetzt wurde eine europaweite Bestandsaufnahme im Bereich „Community Policing“ unter „Best-Practice“-Gesichtspunkten initiiert. Dabei sollen Schlüsselfaktoren identifiziert werden, die für den Erfolg von „Community Policing“ maßgeblich sind. In einem weiteren Schritt soll unter Einbeziehung der gewonnenen Erkenntnisse eine App-Anwendung entwickelt werden, die die Kommunikation und die Beziehungen zwischen den Bürgern und den Sicherheitsbehörden verbessert und die modernen Methoden der Kommunikation berücksichtigt. Mit dieser Anwendung sollen auch und gerade die Teile der Bevölkerung erreicht werden, die bislang keinen oder wenig Kontakt mit den Sicherheitsbehörden haben und deren Bestrebungen eher ablehnend oder gar misstrauisch gegenüberstehen. Angestrebtes Ziel ist eine Verbesserung der Sicherheit für alle Bürger einer Gemeinde oder einer Bevölkerungsgruppe.

Neben dem Fachbereich Polizei der HföD Bayern, als deutschem Partner, beteiligen sich Polizeiorganisationen, akademische Einrichtungen und Institute sowie Firmen aus Belgien, Bulgarien, Estland, Kroatien Mazedonien, Spanien und Großbritannien an dem Projekt – insgesamt 17 Organisationen. Die Projektleitung hat das Büro des „Police and Crime Commissioner’s“ der Polizei von West Yorkshire in Großbritannien.

Das Gesamtbudget von Unity beläuft sich auf 4,2 Millionen Euro. Für seinen Beitrag an der Forschungs- und Entwicklungstätigkeit des Projektes stellt die EU dem Fachbereich Polizei knapp 300.000 € zur Verfügung.

Der Leiter des bayerischen Teilprojektes, Dr. Holger Nitsch, ist über den Erfolg der Bewerbung des Fachbereich Polizei für dieses Projekt sehr erfreut und sieht hier eine exzellente Möglichkeit Forschung und praktische Polizeiarbeit gewinnbringend zu kombinieren und gleichzeitig das Vertrauen der Bürger in ihre Polizei zu stärken.

Hier folgen Links zu Unity-Auftritten auf sozialen Netwerken und zur Unity-Website:

Facebook

Twitter

LinkedIn

website

 

 

 

smartcv

 

Social Media Anti-Radicalisation Training for Credible Voices

 

Hinsichtlich der Gegenmaßnahmen der Online-Radikalisierung, insbesondere der Bedeutung, die soziale Netzwerke nach einem terroristischen Anschlag haben, haben fünf Organisationen innerhalb der Europäischen Union ihre Bemühungen verknüpft, unterstützt vom Prevention of and Fight against Crime Programme of the European Commission Directorate General Home Affairs. Die Expertisen werden von der North East Counter Terrorism Unit of West Yorkshire in Großbritannien, dem Fachbereich Polizei der Hochschule für den öffentlichen Dienst in Bayern, dem European Institute in Bulgarien, der Polizei und Grenzpolizei in Estland, und dem Antiterrorzentrum in Ungarn untereinander ausgetauscht. Diese arbeiten zusammen, um eine gemeinsame Lösung zu finden, um Kommunen zu stärken, radikale oder terroristische Rhetorik in sozialen Netzwerken zu begegnen. Das strategische Ziel wird im Titel des Forschungsprogramms deutlich: Social Media Anti.Radicalization Training for Credible Voices (SMART-CV, Link).

Das Ziel von SMART-CV ist die Entwicklung eines Trainingsprogramms, das an die Bedürfnisse einer Kommune angepasst werden kann und welches eine Grundlage für die Ausbildung sogenannter glaubwürdiger Stimmen im Rahmen einer Deradikalisierung, beziehungsweise einer Prävention der Radikalisierung ist. 

Die Trainingseinheit soll das Bewusstsein für die Bedeutung von sozialen Netzwerken bei der Radikalisierung erhöhen und auch deren Vorteile der Nutzung von sozialen Netzwerken bei der Prävention nach einem lokalen, nationalen und internationalen terroristischen Anschlag herausstellen. Die Zielsetzung dieses Forschungsprojekts stimmt überein mit den Zielen des Prevention of and Fight against Crime Programme  der Europäischen Kommission durch die Stimulation, das Vorantreien und die Entwicklung horizontaler Methoden und Vorgehensweisen, welche für die strategische Bekämpfung und Prävention von Terrorismus notwendig sind. Durch die zur Publizierung von Gegenansichten sind kommunale Teilnehmer, die an dem Programm SMART-CV teilnehmen in der Lage präventiv einzugreifen und Online-Radikalisierung zu minimieren. Da soziale Medien von denjenigen missbraucht werden, die Leute für ihre radikalen Ziele rekrutieren wollen, nutzt SMART-CV dieselben Netzwerke um die öffentliche Sicherheit zu schützen und radikalen einzelnen Stimmen in diesen Netzwerken professionell zu begegnen um einer Radikalisierung anderer Teilnehmer vorzubeugen.

 

Glaubwürdige Stimmen

 

Relevant in diesem Kontext ist, dass Mitglieder der Gesellschaft oder der Kommunen eine wichtige Rolle in der Prävention der Radikalisierung von Einzelnen spielen können. Eine der wesentlichen Aufgaben von SMART-CV ist es, die glaubwürdigen Stimmen (Credible Voices) innerhalb einer Gemeinschaft zu identifizieren, zu unterstützen und zu trainieren. Eine glaubwürdige Stimme ist eine Person, eine Gruppe oder eine Organisation, welche allgemein und offen eine Gemeinschaft, Gesellschaft oder eine Kommune repräsentiert und in der Lage ist, positive Schlüsselnachrichten zu kommunizieren. Sie sollten ihr volles Potential ihrer Reichweite, ihres Einflusses, ihrer Position und ihres sozialen Status ausnutzen, um radikalen Äußerungen in sozialen Netzwerken zu widersprechen und diese zu widerlegen. Dabei sollten sie auf alternative Möglichkeiten hinweisen, positive Diskussionen propagieren, alternative Quellen anbieten und auch auf den Informationsaustausch zwischen der Polizei und der Kommune hinweisen. Als glaubwürdige Stimmen könnten Lehrer, insbesondere Vertrauenslehrer oder Schulpsychologen, lokale religiöse Führer, lokale Wohltätigkeitsorganisationen, Vertreter von Jugendeinrichtungen und andere Vertreter öffentlicher Einrichtungen fungieren, die in der lokalen Umgebung aktiv sind und dort Einfluss haben. Überregional sind auch bekannte Größen aus dem Sport oder dem Showbusiness denkbar. Diese Bandbreite verdeutlicht nur einen Teil der Möglichkeiten von Personen oder Gruppen, welche in der Lage wären, bei der Prävention und der Verhinderung von Online Radikalisierung eine wichtige Rolle zu spielen.

Das Zusammenspiel der verschiedenen Erfahrungen der teilnehmenden Länder wird bei den unterschiedlichen Gegebenheiten einen positiven Einfluss bei unterschiedlichen extremistischen Situationen haben, so dass ein Netzwerk im Informations- und Erfahrungsaustausch entstehen wird. Extremstische Propaganda aus diversen Richtungen kann so sinnvoll eingedämmt werden. 

 

 

 

 

Weitere internationale Projekte

 

 

 

 

Kontakt:

Dr. Holger Nitsch

08141 408-208

Holger.Nitsch@pol.hfoed.bayern.de

Dr. Sebastian Allertseder

08141 408-166

Sebastian.Allersteder@pol.hfoed.bayern.de

Sarina Ronert, M.A.

08141 408-222

Sarina.Ronert@pol.hfoed.bayern.de